Meine Vision

Herbert Siegrist – Geschäftsführer


I had a dream . . .



Bereits als Kind entwickelte sich in mir die Idee maßgeschneiderter sozialpädagogischer Hilfestellung. Mein aufrichtiger Dank gilt allen, die mitgewirkt und geholfen haben, dieses Anliegen Realität werden zu lassen. Viele der der Arge Noah anvertrauten Jugendlichen erzielten Erfolge und tankten Kraft für ihr weiteres Leben, andere verstarben dennoch zu jung, oft als Entlastung der Angehörigen und unserer Gesellschaft. Gerne werde ich mein Wissen und Können auch zukünftig in die Begleitung „High-Risk-Jugendlicher“ investieren.
Zu diesem Zweck wurde mit 14.02.2007 der gemeinnützige Verein ARBEITSKREIS NOAH gegründet.



Meine sozialpädagogische Vision



Meine letzte Installateurrechnung forderte
€ 82,00 pro Facharbeiterstunde. 24 Stunden
fachliche Rundumbetreuung ist der öffentlichen
Hand ca. das Doppelte pro Kind wert.



Hatten in den 1970er Jahren vorwiegend die JuristInnen das Sagen, so prägte die letzten Jahre betriebswirtschaftliches Denken den Verwaltungsalltag der Jugendwohlfahrt. Erfolgreich war, wer das Budget einhalten konnte. Während das Gesundheitswesen bei der medizinischen Zahnversorgung die nationale Anstrengung im präventiven Bereich so vorantrieb, sodass ZahnärztInnen heute bereits zu einem nicht unwesentlichen Teil von Einnahmen aus der Zahnkosmetik leben, werden die Kinderrechte und damit verbunden die Alarmschreie der Kinder und ihrer Betreuungssysteme bei weitem noch flächendeckend zu wenig wahrgenommen. Gehandelt wird, ob aus geplantem Geldmangel oder Gewohnheit erst dann, wenn die Alltagssituation von Kindern akut bedrohlich für die Umgebung oder die betroffenen Selbst ist.




 

Am Weg in die Selbstständigkeit:



Die Linzer Einrichtung, in der ich privat und beruflich heranwuchs, entwickelte sich zu einem Großbetrieb, in deren Struktur es mir 2005 nicht mehr möglich war, jene Qualitäten einfließen zu lassen, die heute zu einer professionellen, auf internationalem Niveau agierenden Kinder- und Jugendarbeit zählen.


Der wachsende Druck von EigentumsvertreterInnen auf die Geschäftsführungen sozialpädagogischer Einrichtungen hat Ähnlichkeiten mit den geltenden Erfolgskriterien der RessortleiterInnen in der Jugendwohlfahrt. Strikte Einhaltung kalkulierter Budgets, Gewinnmaximierung, Profitorientierung und ein gesteigertes Sicherheitsdenken fordert die Verantwortlichen
anscheinend so sehr, dass die pädagogischen sowie gesellschaftspolitischen Aufgabenstellungen an untergeordneter Stelle zu stehen scheinen.


Krisenbewältigungen und falsche Personalentscheidungen können zwar nach Außen von bezahlten PR-Profis gut dargestellt werden, lösen aber meiner Meinung nach dahinterliegende Fehlentscheidungen nicht.
Teure Fremdberatungen täuschen oftmals bloß vor, die Aufgaben kompetent zu bewältigen.

 



Arbeitskreis NOAH



„ Standards-über-Leben“ hieß die Fachtagung anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der ARGE NOAH (2003). Die geforderten Standards habe ich – unangepasster und kreativ geltender Pädagoge – in meinem alten institutionellen Setting beruflich nicht überlebt.


Ende Mai 2006 lernte ich den neu ins Amt berufenen Referenten der Wiener Sozialpädagogik kennen und so entschieden wir, meine Frau und ich, bereits im August einen Verein zu gründen, um die Einladung der MA 11 in Wien anzunehmen und im Rahmen einer Ausschreibung für vier geplante Wohngruppen mitzubieten.


Aufbauend auf den Erfahrungsschatz der letzten 25 Jahre erarbeiteten wir ein wissenschaftlich fundiertes, praxisbezogenes Konzept. Durch die wirtschaftliche Sicherstellung die Anlaufkosten der Versorgung der Kinder und Mitarbeitergehälter vorfinanzieren zu können, bekam der Arbeitskreis NOAH den Auftrag am 1. April 2007 eine koedukative Kinder- und Jugendwohngruppe eröffnen.


Die Wohngruppe NOWI (Noah Wien) bietet für acht, davon zwei sozialtherapeutische Kinder aus Wien ein zusätzliches zu Hause. Meine Routine im Aufbau von Projekt- und Teamstrukturen und eine handvoll eingearbeiteter WegbegleiterInnen ermöglichte innerhalb weniger Monate das sozialpädagogische Durchstarten.


Mit dem vorhandenem Know-how – Aufbau einer Drogenberatungsstelle in Vorarlberg 1980, sechs Langzeittörns auf der Noah (1983 – 1992), dem Aufbau zweier weiterer Wohngemeinschaften in Strengberg und Buchelbach (1997 – 2001) – baute ich nun mein 10. Team mit persönlichem Einsatz im Basisdienst auf.


Im Jänner 2008 wechselte zudem eine vormals von mir betreute Jugendliche mit ihrer Wiener Aussenwohnung samt ihren BetreuerInnen in unseren Verein. Im April 2008 eröffneten wir NOWO 21 (Noah Wohnen) in Floridsdorf. Diese Wohngruppe wurde, wie viele vorangegangene, mit einer eigenen Teamleitung konzipiert. Mit dem Sozialpädagogen Werner Rumel, dessen Haus der Verein AKs Noah anmietete, wurde für weitere acht Kinder ein zusätzliches Zuhause geschaffen. Die dritte Wohngruppe NOMA startet am 18. Mai dieses Jahres in Räumlichkeiten der MA 11 im X. Bezirk und soll mittelfristig weiteren acht Kindern eine fundierte Betreuung und Begleitung in eine lebenswerte Zukunft anbieten. Zwölf unserer mittlerweile über 20 MitarbeiterInnen nehmen an einer zehntägigen internen Weiterbildung teil. Diese Schulung liefert die Grundlage, dass die Essenz der NOAH-Pädagogik in ein gemeinsam zu entwickelndes Leitbild einmünden kann.


Meine Töchter Judith (10 Jahre) und die Esther (14 Jahre) verzichten in dieser Phase des Neuaufbaus des AK NOAH viele Stunden auf mich als Vater und ihre Mama Petra – ausgebildete Sozpädagogin, Sozialarbeiterin und Supervisorin in freier Praxis. Meine Frau ist ein weiteres Mal in ihrem Leben bereit mit hohem Einsatz die qualitative Verbesserung der sozialpädagogischen Betreuung für eine Hand voll Kinder voranzutreiben.


Petra Siegrist als Obfrau und Manfred Ruschak als Obfrau- Stellvertreter unseres gemeinnützigen Vereines obliegt die Verantwortung, die Arbeit und das Wohl der MitarbeiterInnen, der uns anvertrauten Kinder und deren Familien mit den betriebswirtschaftlich notwendigen Sachzwängen ausbalanciert im Auge zu behalten. Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Schwiegermutter und dem gesundheitlichen Segen wäre diese Aufbauarbeit in den letzten zweieinhalb Jahren so nicht möglich gewesen.


Die tief verankerte Vernetzung in der IGSWG und der erfolgreiche Mitaufbau des Dachverbandes Österreichischer Jugendwohlfahrtseinrichtungen – DÖJ – haben mir gerade in der letzten Zeit die Gewissheit vermittelt, nicht alleine sozialpädagogische Visionen zu verfolgen.


Ich träume von einem nationalen Aktionsplan in der Jugendwohlfahrt der prophylaktisch und nachhaltig wirksam wird!


(Artikel aus sozialpädagogische Impulse 2/2009, www.sp-impulse.at)